Veraendertes Leben mitten im Konflikt
Von Jonathan McRay
Die Dame im Tourismusbüro am Jaffator gibt mir einen farbigen Stadtplan der Jerusalemer Altstadt. „Die Alliance Church“, sagt sie auf meine Frage hin, „ist hier.“ Ihr Finger zeigt auf ein Viertel nur ein paar Häuserblocks entfernt. Ich gehe hinaus in den hellen, strahlenden Tag. Ich bin dankbar für jeden Anlass, der mich in die Altstadt bringt. Die Vielfalt, die hier durch die Straßen flutet, ist faszinierend. Juden, Muslime und Christen schieben sich hier Schulter an Schulter durch, auf dem Weg zum Gebet in Synagogen, Moscheen und Kirchen. Die ganze Welt ist in diesen Gassen unterwegs.
Als ich die Alliance Church gefunden habe, lädt mich Jack Sara, der Hauptpastor, mit einer Handbewegung in sein gemütliches Büro ein. Mazzem, der andere Pastor, bringt uns Thymiantee.
Jack ist in der Altstadt aufgewachsen, nur ein paar Häuser von da entfernt, wo wir gerade sitzen, in einer römisch-katholischen Familie. Sehr traditionell und nominell. Er war fünfzehn, als die erste Intifada begann. „Ich habe voll mitgemacht bei dem, was die Kinder taten“, erklärt er, während er vorsichtig an dem heißen Pappbecher nippt. „Wir haben Graffiti gesprüht, die palästinensische Fahne gehisst, Flyer für unsere Unabhängigkeit verteilt. Alles, was wir taten, war illegal; ich war mindestens siebenmal im Gefängnis. Nicht für lange, aber immerhin im Gefängnis.“
Jack trat der kommunistischen Partei bei, die bei den palästinensischen Jugendlichen sehr beliebt war. Aber, sagt er, er hatte das Gefühl, kein Ziel zu haben: „Es war ein dauernder Kreislauf, der mich dazu brachte, über mein Leben nachzudenken: Wollte ich, dass das mein Leben war? Protestieren, verhaftet werden, von der Armee und der Geheimpolizei verprügelt werden, dann entlassen werden und protestieren, verhaftet und verprügelt werden. Dieser Kreislauf ging immer weiter. 1991 kam ich das letzte Mal aus dem Gefängnis heraus – und ich wollte etwas anderes finden. Es musste einen besseren Weg geben, meinem Volk zu helfen, vielleicht durch Bildung und Beratung.“
„Ich hatte einen Nachbarn“, fährt Jack fort, „der war gläubig. Sein Leben hat mich immer beeindruckt. Er war Prediger. Wir hatten viele stundenlange Diskussionen bei ihm zuhause. Und schließlich bin ich zum Glauben gekommen. Mein Leben hat sich drastisch und schnell verändert, alle meine Freunde dachten, ich sei verrückt geworden, weil ich mich um 180 Grad verändert hatte. Ich sehe immer noch eine Verbindung zwischen Religion und Politik. Ich liebe mein Volk. Aber ich musste mein Verständnis von Gerechtigkeit ändern. Ich arbeite immer noch für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.“
Durch seine Beziehung mit dem Prediger erfuhr Jack vom Bethlehem Bible College, wo er bald angenommen wurde. Einer seiner ersten Lehrer war Salim Munayer, der ihn zu einem der ersten Musalaha Wüstentrips einlud. Aber Jack zögerte. Er hatte eine tiefe Wut und Ablehnung gegen das jüdische Volk in sich. „Ich glaube, ich habe sie wirklich gehasst“, sagt er, „aber das ist mir später eingepflanzt worden. Ich bin nicht damit aufgewachsen. Meine Familie hat keinen Hass gehegt. Mein Vater war Elektriker, er hat für eine israelische Firma gearbeitet. Er hatte alle möglichen jüdischen Freunde, und vor der Intifada haben wir uns gegenseitig zu Hause besucht und zusammen gegessen. Das Gefängnis und die Intifada haben mich verändert.“
„Und die Verhöre,“ fügt er leise hinzu. „Ich habe immer noch Narben aus dieser Zeit. Wie sollst du mit fünfzehn, sechzehn damit umgehen? Ich habe das alles gespeichert, auch meine Wut. Ich bin raus gegangen, habe protestiert, habe mich nicht darum geschert, ob da Kugeln flogen. Doch mit Leuten von der anderen Seite zusammenzutreffen, die sich Gedanken machen – das hat mich verändert. Um die Wahrheit zu sagen, ich hatte keine genaue Vorstellung, wer auf diesem Musalaha-Trip dabei sein würde. Ich dachte, es wären nur Leute vom Bible College. Ich hatte keine Ahnung, dass es Juden gibt, die an Jesus glauben.
Die meiste Zeit habe ich mich mit Evan Thomas unterhalten, einem messianischen Pastor aus Netanja. Das hat bei mir die Veränderung ausgelöst. Evan war so freundlich. In der Wüste waren wir erst unsicher und hatten Angst. Den anderen ging es genauso, und wir haben geredet, um die Furcht zu überwinden. Ich war immer noch an so vieles gekettet, ich musste frei werden. Das Wichtigste war das Pflegen von Beziehungen. Das ist mehr als einfach nur mit Evan im Kontakt zu bleiben. Ich habe in seiner Gemeinde gepredigt, und wir haben ihn und andere messianische Pastoren hier auf der Kanzel gehabt.“
Die Jerusalem Alliance Church ist sechzig Jahre alt. Angeregt durch den Prediger aus seiner Straße begann Jack dort hinzugehen, und bald spielte er im Gottesdienst Keyboard. Mittlerweile kommen viele Menschen zum Gottesdienst, die nicht in der Altstadt wohnen, und etliche Gemeindemitglieder sind auf Musalaha-Trips dabei gewesen.
„Ich glaube, Musalaha macht das mit der Nacharbeit wirklich gut“, sagt Jack. „Dass die Beziehungen bestehen blieben, war sicher das, was mir bei der Veränderung geholfen hat. Es gibt eine tiefe Spaltung zwischen unseren Völkern, aber ich muss die Veränderung wollen. Hier verändert sich alles. Wenn du nur einmal zu Besuch kommst, entgeht dir das. Aber wenn du öfter kommst, kannst du sehen, dass sich im Land viel verändert hat – oft zum Schlechten. Vielleicht könnten wir auch was zum Guten verändern.“
Jack Sara ist Mitglieddes Musalaha-Komitees.

